3. Stralsunder Kulturwerkstatt „Kultur auf dem Weg“
Die 3. Stralsunder Kulturwerkstatt am Sonnabend, 25. April 2026, war mit insgesamt 53 Teilnehmenden sehr gut besucht. Zu Beginn der Kulturwerkstatt begrüßte Steffi Behrendt, Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien, die anwesenden Teilnehmenden. In ihrer einleitenden Ansprache gab sie einen kompakten Überblick über den aktuellen Zwischenstand der Umsetzung des Kulturkonzepts STRALSUND 2034. Dabei skizzierte sie zentrale Entwicklungen, benannte erreichte Meilensteine und ging zugleich auf bestehende Herausforderungen ein. Abschließend stellte sie die wesentlichen Arbeitsschwerpunkte für das Jahr 2026 vor und leitete damit in die inhaltliche Arbeit der Veranstaltung über.
In den Räumen der Musikschule Stralsund herrschte über den gesamten Zeitraum hinweg eine ausgesprochen positive, offene und konstruktive Atmosphäre, die den fachlichen Austausch und die Vernetzung der Kulturakteurinnen und -akteure gefördert hat.
Alle drei angebotenen Workshops stießen auf großes Interesse. Die Teilnehmenden brachten vielfältige Perspektiven, Erfahrungen und Ideen ein, sodass in jeder Workshop-Runde lebendige Diskussionen entstehen konnten. Besonders deutlich wurde dabei der Wunsch, gemeinsame Themen wie Vernetzung, Stadtjubiläum und den Internationalen Hansetag 2028 aktiv mitzugestalten.
Die 3. Kulturwerkstatt hat erneut gezeigt, wie wertvoll dieses Format für den Austausch, die Entwicklung neuer Projektideen und die Stärkung bestehender Netzwerke ist.

Die Ergebnisse der drei Workshops wurden dokumentiert:
- WORKSHOP 1: „Auf dem Weg zu guter Vernetzung und Sichtbarkeit“
- WORKSHOP 2: „Auf dem Weg zum 800. Stadtgeburtstag – Stadtchronik mit Schwerpunkt auf Stralsund im 20. Jahrhundert“
- WORKSHOP 3: „Auf dem Weg zum Internationalen Hansetag 2028“
Im Rahmen der 3. Stralsunder Kulturwerkstatt bot Workshop 1 den Teilnehmenden die Möglichkeit einer Bestandsaufnahme in Sachen Vernetzung. Dabei wurden unterschiedliche Fragestellungen besprochen: Wie sind wir miteinander verbunden? Wer hat Kontakt zu wem mit welchen Themen? Wie gestaltet sich der Austausch aktuell?
Eine Momentaufnahme auf Basis Mit wem hatte ich zuletzt Kontakt zu Thema X? ergab ein heterogenes und von Vielfalt geprägtes Bild. Dabei wurde deutlich, dass es Akteure gibt, die gut vernetzt sind und wie ein Kulturmotor immer wieder neue Anziehungskraft entfalten bzw. Projekte in Gang setzen. Demgegenüber die Perspektive derer, die neu nach Stralsund kommen: Wie können sie andocken und wo erhalten sie dafür Unterstützung?
Hier wurde deutlich: (1) noch ist unklar, wer passender Ansprechpartner ist. (2) Und vermisst wird eine gebündelte Darstellung Stralsunder Kulturakteure und ihrer Angebote, z.B. im Internet.
Im zweiten Schritt haben wir eine Wachstumsanalyse begonnen: was wollen wir in Bezug auf Vernetzung beibehalten, was wollen wir ergänzen und was wollen wir loslassen.
Dabei wurde deutlich, dass die Breite und Qualität der Kulturangebote sowie die Vielfalt und Anzahl an Kulturorten/räumen eine Stärke in Stralsund sind. Das gilt es zu bewahren. Ein wichtiges Fundament ist das ehrenamtliche Engagement, das wir ebenfalls erhalten wollen und unbedingt weiter fördern müssen.
Was wollen wir beibehalten?
Die bestehenden Formate wie Kulturwerkstatt, Kulturstammtisch, das Kunstschaufenster oder der Marktplatz Kultur & Schule sollten weitergeführt werden. Auch Veranstaltungsreihen oder Jubiläen/Jahrestage können wir weiterhin aktiv nutzen, um sie gemeinsam umzusetzen und damit die Netzwerke untereinander zu stärken.
Was sollten wir hinter uns lassen?
Loslassen sollten wir Vorurteile und das „Immer wieder im Kreis der selben Themen drehen“. Also nicht nur sammeln und zusammentragen, was uns wichtig ist, sondern ins Handeln kommen, und dafür mehr Zeit verwenden. Aufgeben sollten wir bestimmte Vorgaben, die uns hemmen, und bürokratische Hürden, die als zu hoch empfunden werden.
Was können und wollen wir ergänzen?
Gewünscht wird ein offener Kulturtreff für verschiedene Kultursparten, also ein Forum bzw. ein Diskussionsraum für die freie Kulturszene, auch mit einer interkulturellen Perspektive. Die Initiativen der Stadt sind wichtig und werden geschätzt. Gleichzeitig braucht es auch den eigenen Freiraum zur Verständigung über wichtige Kulturthemen und -anliegen. Weiten sollten wir unsere Perspektive im Hinblick auf junge Menschen und uns für eine bessere Mobilität und Verkehrsanbindung in den ländlichen Raum einsetzen. Auch eine stärkere Vernetzung in den Landkreis und in Stralsunds Nachbargemeinden hinein, wurde als Wunsch im Workshop 1 formuliert. Ausbaufähig ist der Bereich Marketing für Kultur und die kulturellen Initiativen und Aktivitäten, z.B. über eine zentrale Website, unabhängig von jener der Stadt.
In Workshop 1 hatten die Vertreter des neu gegründeten Kulturnetzwerkes KIRA e.V. Zeit, sich und ihr Anliegen vorzustellen. KIRA e.V. möchte Kultur- und Kunstschaffende darin unterstützen, sich zu vernetzen, sichtbarer zu werden und gemeinsame Interessen zu vertreten.
Beide Workshoprunden zum Thema Vernetzung waren von einem großen Interesse am jeweils Anderen getragen. Spürbar war das Bedürfnis nach Gespräch und Austausch, sodass in jeder Workshop-Runde gute Diskussionen entstanden. Dabei war deutlich, dass der Workshop nicht nur die Möglichkeit bot, sich über bestehende Netzwerkstrukturen in Stralsund auszutauschen, sondern auch zur Vernetzung der Teilnehmenden selbst aktiv beigetragen hat.




Das im Jahr 2034 anstehende Stralsunder Stadtjubiläum soll genutzt werden, um der Stadtgeschichtsforschung nachhaltige Impulse zu verleihen. Konkrete Ziele sind u.a. die Herausgabe einer Stadtchronik sowie eine Fokussierung auf das Themenfeld „Stralsund im 20. Jahrhundert“.
Zunächst wurde ein Überblick zum derzeitigen Stand der Erforschung der Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts gegeben. Eine erste Recherche ergab, dass es zwischen 450 und 500 schriftliche Arbeiten gibt, die sich mit Aspekten der Stralsunder Geschichte des 20. Jahrhunderts befassen. Die Mehrzahl ist eher populärer Natur. Bei den wissenschaftlichen Arbeiten überwiegen universitäre Abschlussarbeiten aus der Zeit vor 1990. Ein wichtiges Publikationsorgan sind die seit 2009 erscheinenden „Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur und Alltag“, in denen bisher über 100 Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden.
Das Stadtarchiv hat in den letzten Jahren einen Schwerpunkt seiner Erschließungsarbeiten auf die Akten der Stadtverwaltung aus den 1970er und 1980er Jahren gelegt. Ziel ist die vollumfängliche Nutzbarkeit der Überlieferung aus dem Zeitraum 1945 bis 1990. Die Unterlagen aus der ersten Jahrhunderthälfte sind bereits vollständig zugänglich. Außerdem sind in den letzten Jahren zunehmend Unterlagen von Persönlichkeiten aus der jüngeren Stadtgeschichte übernommen worden, wobei ein Schwerpunkt bei den Protagonisten der Wendezeit 1989/90 liegt.
In den letzten Jahren gab es auch mehrere Vortragsveranstaltungen, die einzelne Aspekte berührten, etwa zur Novemberrevolution, zur Werftgeschichte oder dem Treffen von Erich Honecker und Olof Palme 1984, um nur einige zu nennen. Auch die Aktivitäten der Initiative zur Erinnerung an jüdisches Leben in Stralsund e. V. und die Provenienzforschung am STRALSUND Museum gehören dazu.
Danach stellte der Vorsitzende des Stralsunder Geschichtsvereins e. V., Christoph Freiherr von Houwald, ein aktuelles Projekt des Geschichtsvereins vor, die Herausgabe einer mehrbändigen illustrierten Stadtchronik. Einer der ersten beiden Bände wird die Geschichte nach 1945 behandeln und nach gegenwärtiger Planung noch in diesem Jahr erscheinen.
Obwohl noch acht Jahre Zeit bis zum Stadtjubiläum sind, ist es klar, dass bis dahin keine umfassende Darstellung der Geschichte des 20. Jahrhunderts auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet und vorgelegt werden kann. Vielmehr sollen durch unterschiedliche Formate Einzelaspekte behandelt werden, die idealerweise in einen Sammelband münden. Solche Formate können Einzelvorträge, Tagungen, studentische Abschlussarbeiten oder Schülerprojekte sein. Dazu ist die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern unerlässlich.
Ziel des Workshops sollte es deshalb sein, einmal über weitere Formate und konkrete Projekte in den Austausch zu gehen und andererseits Kooperationspartner zu finden.
In den anschließenden Diskussionsrunden bildete aufgrund der Zusammensetzung der Teilnehmer die Beteiligung von Künstlern unterschiedlicher Genres einen weiteren Schwerpunkt. Konkrete Vorschläge betrafen zum Beispiel Theateraufführungen, Ausstellungen, Installationen oder die Nutzung authentischer Orte wie das Werfthochhaus. Ein weiterer Aspekt war die Einbeziehung der Bevölkerung. Hier konnte auf zwei konkrete Beispiele verwiesen werden, das Oral-History-Projekt des Geschichtsvereins im Zusammenhang mit dem Jubiläum der Volkswerft 2023 und der aktuelle Aufruf zur Einreichung von Fotos für den Tag der Städtebauförderung am 9. Mai 2026.
Für den Bereich der Geschichtsforschung machte der Leiter des Rostocker Stasiunterlagenarchivs, Dr. Volker Höffer, das konkrete Angebot, mit den Akteuren aus Stralsund zusammenzuarbeiten. Sein Archiv enthalte Schrift- und Bildquellen, die es anderenorts so nicht geben dürfte. Er verwies auch auf Vorträge, die er zu unterschiedlichen Aspekten des Themas „Ministerium für Staatssicherheit und Stralsund“ bereits gehalten hat oder noch halten wird. Dieser Vorschlag ordnet sich gut in das oben genannte Ziel der Herausgabe eines Sammelbandes zu Einzelaspekten der Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Um die Zusammenarbeit zu verstetigen, wurden regelmäßige Gespräche vereinbart.
Im Rahmen der 3. Stralsunder Kulturwerkstatt bot Workshop 3 den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich frühzeitig mit der Ausrichtung des Internationalen Hansetags 2028 auseinanderzusetzen.
Zunächst wurde ein Überblick über die Dimension und Bedeutung des Internationalen Hansetags gegeben. Ein zentraler Bestandteil des Workshops war die ausdrückliche Einladung der Gastgeber an die Kulturschaffenden der Stadt, sich frühzeitig und aktiv in die Gestaltung des umfangreichen Kulturprogramms einzubringen. In diesem Zusammenhang stellten die Workshop-Gastgeber insbesondere die vielfältigen Programmteile des Hansetags vor, in denen eine Beteiligung möglich ist. Angesichts der erwarteten rund eintausend Delegierten sowie zehntausender Gäste aus 100 Hansestädten Europas wurde die Bedeutung des Engagements der lokalen Akteurinnen und Akteure besonders hervorgehoben. Der Hansetag wurde dabei nicht nur als Großereignis, sondern als gemeinsame Chance verstanden, die kulturelle Vielfalt, Kreativität und Gastfreundschaft Stralsunds sichtbar zu machen.
Im Austausch wurde deutlich, dass diese Einladung auf große Resonanz stößt: Viele Teilnehmende äußerten Interesse, eigene Projektideen zu entwickeln und sich in Kooperationen einzubringen. Insgesamt zeigte der Workshop eine hohe Motivation zur Mitwirkung sowie Potenzial für vielfältige, innovative Kulturprojekte. Der Austausch miteinander bot einen guten Auftakt, um gemeinsam den Weg zum Internationalen Hansetag 2028 zu gestalten und die kulturelle Strahlkraft Stralsunds nachhaltig zu stärken. Immer wieder wurde deutlich, dass der Internationale Hansetag nicht als einmaliges Ereignis verstanden werden soll, sondern als Einladung und Impulsgeber für die Kulturszene der Stadt.
Im Rahmen des Workshops wurde zudem das neue Förderprogramm „Die Hanse in Stralsund“ vorgestellt. Dieses setzt bereits in den Jahren 2026 und 2027 gezielt Anreize, kulturelle Projekte mit Bezug zur Hanse zu entwickeln und umzusetzen. Die Teilnehmenden erhielten einen ersten Überblick über Antragstellung, Inhalte und Zielsetzungen des Programms; weiterführende Informationen sind auf www.kultur-stralsund.de verfügbar.
Zum Abschluss des Workshops wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Projektideen inklusive Kontaktdaten auf einer Pinnwand festzuhalten. Diese Methode machte nicht nur die Vielfalt der Ansätze sichtbar, sondern zeigte auch erste thematische Überschneidungen und Kooperationspotenziale.
Besonders hervorzuheben ist ein mehrfach genannter Projektansatz aus dem Bereich der angewandten Kunst: Mit insgesamt vier Nennungen lag die Idee, den Hering als historisches „Exportgut“ Stralsunds sowie die Ostsee als verbindendes Element der Hansestädte künstlerisch zu thematisieren, vorn. Vorgeschlagen wurde eine gewerkeübergreifende Umsetzung, etwa durch Beiträge aus den Bereichen Druckgrafik, Goldschmiede, Textil und Keramik. Mögliche Projektpartner wären das Händlernetzwerk „Die Perlen der Altstadt“ sowie Institutionen wie das Ozeaneum, die Jugendkunstschule und die Produzentengalerie Kalypso.
Drei Nennungen entfielen auf ein Chorprojekt im Kontext der Internationalen Hansetage. Genannt wurden sowohl ein thematisches Chorkonzert mit internationalen Liedern aus dem Ostseeraum als auch ein Konzert unter Beteiligung von Chören aus verschiedenen Hansestädten. Zweimal wurde die Idee eines Chorfestivals bzw. eines internationalen Chortreffens eingebracht. Hier geht es vorrangig um den musikalischen Austausch und die Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.
Zwei Nennungen erhielt die Idee eines speziellen Stadtführungsprogramms zum Thema Hanse. Neben klassischen thematischen Führungen wurde auch die Konzeption einer Führung auf Niederdeutsch angeregt. Der Gästeführerverein signalisierte hier konkretes Interesse an einer Mitwirkung und strebt einen ersten Austausch mit der Tourismuszentrale an.
Darüber hinaus wurden weitere Projektideen festgehalten: Skizziert wurde unter anderem ein Vorhaben mit dem Arbeitstitel „Frauen zur Hansezeit“, das eine bislang weniger beleuchtete Perspektive der Hansegeschichte in den Fokus rücken könnte. Ebenfalls eingebracht wurde die Idee einer Kunstausstellung im Rathausdurchgang, initiiert durch die Hanse-Galerie im Rathaus.
Zudem nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, den Workshop-Gastgebern Hinweise und Anregungen für die weitere Programmplanung mitzugeben. Als mögliche Veranstaltungsorte wurden die Volkswerft sowie das Johanniskloster vorgeschlagen. Inhaltlich wurde zudem angeregt, eine stärkere migrantische Perspektive aus der Gastgeberstadt Stralsund in das Kulturprogramm einzubeziehen.
Im Austausch wurde mehrfach das youthHansa-Programm thematisiert. Für dieses Jahr ist hierzu ein gesondertes Treffen mit Interessierten vorgesehen. Perspektivisch wurde angeregt, eine eigene Arbeitsgruppe zu gründen, um das Programm kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Einbindung junger Menschen zu stärken. Ebenfalls wurde im Rahmen des Workshops ein Angebot zur kuratorischen und organisatorischen Mitarbeit am Ausstellungsprojekt HANSEartWORKS unterbreitet.
Abschließend freuten sich die Workshop-Gastgeber über erste konkrete Anmeldungen für eine ehrenamtliche Unterstützung beim Internationalen Hansetag 2028.


